Gedanken zu Pfingsten

nach oben
119 users have voted.
Lessings gesammelten Werke

Regen zum Pfingstmontag, da fällt es mir wenigstens nicht ganz so schwer, heute zu arbeiten. In Deutschland ist heute Feiertag und viele Jahre habe ich den freien Tag einfach nur genossen, ohne mir Gedanken darüber zu machen warum wir Pfingsten zelebrieren.

In Schweden wurde der Pfingstmontag als offizieller Feiertag abgeschafft und stattdessen der Nationalfeiertag am 06. Juni eingeführt. Ich persönlich finde das gut und es ist meines Erachtens auch ganz im Sinne der Religionsfreiheit. Das bedeutet jedoch nicht, dass Pfingsten in Schweden nicht gefeiert wird.

Aber was ist nun Pfingsten? Da ich mich auf diesem Gebiet nicht so gut auskenne, verweise ich einfach mal auf eine Erklärung aus dem Netz.

„Für gläubige Christen ist Pfingsten neben Weihnachten und Ostern eines der wichtigsten kirchlichen Feste. Die zeitliche Verbindung der beiden Feiertage Ostern und Pfingsten ist im Christentum ähnlich wie im Judentum festgelegt: Der jüdische Feiertag "Schawuot" - das Fest der Weizenernte und der Offenbarung der Tora an das Volk Israel - wird am 50. Tag nach dem "Pessach" (auch Passah oder Pascha) - vergleichbar mit dem Erntedankfest, aber auch Gedenktag an den Auszug aus Ägypten sowie die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei - begangen.“

Quelle: www.helles-koepfchen.de/artikel/3480.html

Also ein Fest, welches seinen Ursprung im Christentum und Judentum hat? Und was ist mit dem Islam? Soweit ich gelesen habe, basieren das Christentum und der Islam auf den abrahamitischen Monotheismus. Ich weiß wirklich nicht viel über Religionen, aber etwas Nachdenken muss einfach erlaubt sein. Für mich fühlte sich Religion bisher immer als etwas Trennendes an, aber das ist es nicht, es gibt viele Gemeinsamkeiten.

Vor kurzem habe ich den Film "Life of Pi" gesehen. Erzählt wird die Lebensgeschichte des aus Indien stammenden Piscine Molitor Patel (Pi) und er ist fasziniert von den verschieden Religionen und hat sie auch ausprobiert. So wird er nacheinander erst Hindu, dann Christ und Moslem. Aus jeder dieser Religionen erfährt er neue spirituelle Erfahrungen und er ist nicht in der Lage sich für eine zu entscheiden. Ein sehr empfehlenswerter Film, erzählt in tollen Bildern und Symbolik.

Leben ist Veränderung und momentan finden große Veränderungen statt. Die Kulturen vermischen sich, ob wir es wollen oder nicht. In Europa haben wir Angst vor dem Unbekannten, vor Anarchie, Verlust und Krieg und vielleicht auch vor den fremden Sprachen, die wir nicht verstehen. Diese Ängste sind berechtigt und Veränderungen bergen Gefahren in sich, wie das Leben an sich auch gefährlich ist. Mit Panik und Angst auf Veränderungen zu reagieren ist keine gute Vorgehensweise. Es ist immer das Beste sich den Gefahren zu stellen, klug und umsichtig zu handeln, eigene Ansichten überdenken und viel lernen.

Meine Gedanken führen mich automatisch zu Lessings „Nathan der Weise“. Dank meines Vaters, habe ich die gesammelten Werke Lessings in meiner Bibliothek. Ehrfurchtsvoll und in Gedanken bei meinem Vater schlage ich die ersten Seiten auf und fange an zu lesen. Ich lese langsam, Wort für Wort und höre nicht auf bis ich durch bin.

„Nathan der Weise“ ist ein klassisches Drama erschienen Ende des 18. Jahrhunderts und hat niemals seine Aktualität verloren. Das Drama dreht sich hauptsächlich um Humanität, Toleranz und Religionsfreiheit. Die Klassiker sind deshalb Klassiker weil sie zu allen Zeiten top-aktuell sind.

Nathan ist ein wohlhabender Jude und gerade von einer Handelsreise aus Babylon zurückgekehrt. Vom Volk wird Nathan als ein sehr weiser Mann verehrt.
Sultan Saladin versucht Nathans Weisheit zu prüfen indem er ihn fragt, welche denn die wahre Religion sei. Nathan antwortet ihm mit der berühmten Ringparabel.

Hier eine Zusammenfassung aus dem Netz von www.wortwuchs.net/ringparabel/

„Ein Mann besitzt ein Familienerbstück, einen Ring, der die Eigenschaft hat, seinen Träger vor Gott und den Menschen angenehm zu machen, wenn der Besitzer ihn in dieser Zuversicht trägt. Dieser Ring wurde über viele Generationen vom Vater an den Sohn vererbt, den er am meisten liebte. Eines Tages tritt der Fall ein, dass ein Vater drei Söhne hat und keinen von ihnen bevorzugen will. Deshalb lässt er sich exakte Kopien des Ringes herstellen und vererbt jedem seiner Söhne einen dieser Ringe.

"Nach dem Tode des Vaters ziehen die Söhne vor Gericht, um klären zu lassen, welcher von den drei Ringen der echte sei. Der Richter ist aber außerstande, das zu ermitteln, da sich die Ringe vollends gleichen. So erinnert er die drei Männer daran, dass der echte Ring die Eigenschaft habe, den Träger bei anderen Menschen beliebt zu machen. Wenn dieser Effekt bei keinem eingetreten sei, dann ist der echte Ring wohl verloren gegangen."

"Der Richter gibt den Söhnen den Rat, jeder von ihnen solle daran glauben, dass sein Ring der echte sei. Ihr Vater habe alle drei gleich gern gehabt und es deshalb nicht ertragen können, einen von ihnen zu begünstigen und die beiden anderen zu kränken, so wie es die Tradition eigentlich erfordert hätte. Wenn einer der Ringe der echte sei, dann werde sich dies in der Zukunft an der ihm nachgesagten Wirkung zeigen. Demzufolge sollten sich alle Ringträger bemühen, dass dieser Effekt eintritt.“

Es lohnt sich den Originaltext zu lesen! Den gibt es im Netz, doch am schönsten ist es in einem Buch zu lesen.

Mittlerweile ist aus dem Montag ein Dienstag geworden und es ist an der Zeit, mich meiner neuen Lektüre zu widmen.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine angenehme Woche.
Ulrike

Neuen Kommentar schreiben