Meine Gedanken zum „Tag der Deutschen Einheit“

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frei sein

Heute ist ”Tag der Deutschen Einheit” und ich freue mich an diesem Tag arbeiten zu dürfen und ich freue mich sowieso, alles mit ein wenig Distanz zu betrachten.

1989/90 war ich Anfang 20 und ich kann mich noch gut erinnern, wie das Volk auf die Straße gegangen ist und für mehr Freiheit gekämpft hat. Es war eine aufregende Zeit mit Hoffnungen und Ängsten.

Wo ist er hin, der Freiheitsgedanke?

Wenn man plötzlich realisiert das Freiheit auch Verantwortung bedeutet, will man sie vielleicht gar nicht mehr. Man sehnt sich zurück nach alten wohlbekannten Strukturen. Die Mauern in unseren Köpfen sind dick und hoch.

Politik ist nicht gerade meine Stärke, ich bin Ingenieurin und versuche auf diesem Gebiet gut zu sein. Aber heute gibt es keine anderen Themen.

Die rechten Tendenzen in Deutschland und Europa machen mir Angst und unserer aller Aufgabe ist es, diese zu stoppen. Der Leitspruch meiner Eltern war, lieber trocken Brot als Krieg und er scheint vergessen. Stattdessen machen wir Kriegsflüchtlinge für unsere Misere verantwortlich.

Leider hat sich Deutschland in ein merkwürdiges gesellschaftliches System entwickelt, welches Ungerechtigkeiten, Korruptionen und Kriminalität fördert. Besonders auffällig ist es, wenn man die Situation von einem anderen Land aus betrachtet, einem Land wie Schweden. Wie konnte das nur so passieren? Wo sind sie, die guten Politiker? Wahrscheinlich massenhaft zerschellt an unsichtbaren Mauern.

Ich bin ebenfalls zerschellt an diesen Mauern und war und bin diesem System hilflos ausgeliefert und daran ist kein einziger Kriegsflüchtling schuld.

Nur ein kleines Beispiel, vor zwei Jahren habe ich in einer Familiensache Widerspruch gegen einen Gerichtsbeschluss eingereicht, der komplett an mir vorbei gefällt wurde und bis heute habe ich keine Antwort erhalten. Beim Gericht anzurufen ist ein Spießrutenlauf und ich persönlich habe aufgegeben und habe mein Land verlassen. In gewisser Weise bin auch ich ein Flüchtling.

Bei aller politischen Misere, wir dürfen nicht Rechts wählen, auch nicht aus Verzweiflung, denn wo das hinführt zeigt ein Blick in die Geschichtsbücher!

Warum nicht die Kräfte bündeln und gegen Korruption und Misere im eigenen Land vorgehen, so wie wir es 1989/90 getan haben. Gemeinsames Vorgehen gegen Ungerechtigkeiten, gegen Gesetze die keinen Sinn machen und nur die Kriminalität fördern, Gesetze die ehrliche Arbeit erschweren usw. Wir benötigen bessere und gerechtere Bildungssysteme, denn nur in der Bildung liegt der Schlüssel zu einer besseren Welt. Ich könnte die Liste noch ewig fortsetzen.

Ich weiß, wie schwer das ist und nicht jeder von uns ist eine Jeanne d’Arc und ich schon gar nicht.

Trotzdem, lasst uns unsere Unzufriedenheit nicht in ein Chaos enden. Es ist besser, unseren Verstand einzuschalten. Jeder kann für sich einen kleinen Beitrag leisten und zusammen können wir die Welt ein bisschen besser gestalten.

Nichtdestotrotz, heute ist ein Feiertag und ich habe ein paar Süßigkeiten mit zur Arbeit gebracht und gemeinsam mit meinen schwedischen Kollegen haben wir den „Tag der deutschen Einheit“ gefeiert.

Ulrike

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